Um die Welt: Afrika - Asien

Reisetagebuch

08.Jan.2007

Kilometerfresserei - Die Motorradnomaden wieder unterwegs(Bereich: Australien)
Kilometerfresserei - Die Motorradnomaden wieder unterwegs

Liebe Freunde, Verwandte und Bekannte!

EVA
Kaum zu glauben, aber es geht tatsächlich weiter.
Mein Mopped läuft, zwar mit einem etwas lauterem, für uns unerklärlichen Nebengeräusch, aber damit müssen ich und das Motorrad nun erstmal leben.
Behutsam schalte ich die Gänge und alle 100 km kontrollieren wir das Öl. Irgendwie sitzt noch immer die Angst im Nacken, dass ein neuer Schaden auftreten könnte.
Zunächst erfreuen wir uns daran, wieder auf Reisen zu sein, auch wenn wir auf Offroadabenteuer zunächst verzichten wollen. Um auf Nummer sicher zu gehen, halten wir uns hauptsächlich auf den Teerstrassen. So ballern wir von Perth auf dem Highway in den Süden Richtung Busselton, danach biegen wir endlich auf die kleineren Nebenstrassen ab.
Die Karriwälder haben uns schon im September sehr gefallen und beeindrucken uns auch dieses Mal. So kurven wir auf schmalen Strassen durch die herrliche Waldriesenlandschaft und fangen das wechselnde Schattenspiel der Bäume auf.



Etwas angefroren von der Kälte erreichen wir den Campingplatz Conto, wo ich endlich mal wieder ein richtiges Lagerfeuer entfachen kann.
Nicht unerwartet lässt sich am nächsten Morgen mein Motorrad per Knopfdruck nicht starten da es schon gestern hin und wieder Probleme mit dem Starten hatte.
Ich denke: „Ach ja, mein Baby will vielleicht nachhause? - Aber ich noch nicht!“
Ein paar Mal kicken und sie läuft wieder, nichts wie weg, sonst überlegt es sich mein Zebra noch mal anders. Von nun an streichele ich immer öfter über den Tank und spreche meinen sonst so treuen Begleiter gut zu.
„Komm, sage ich, es sind ja vielleicht „nur noch“ ca. 20.000 km bis nach Hause, dann bekommst Du alles was Du brauchst. Einen gebrauchten, aber guten Zylinderkopf und vielleicht auch ein neues Federbein, da dieses ja schon länger Öl tröpfelt.
Dann fahre ich nur hauptsächlich sanfte Strecken mit Dir und dann nicht mehr lange, dann bekommst Du einen Ehrenplatz in unserem neuen Heim. Du gehst sozusagen in Rente und alle Besucher dürfen Dich bewundern!! Bitte, bitte nur jetzt noch nicht, denn Australien kann nicht so gut für Deine Gesundheit sorgen und ist zu dem auch noch zu teuer. Also strenge dich an.“
Ja was soll ich da nur sagen, mein Zebra bleibt widerspenstig und hat andere Dinge im Sinn.
Es fährt zwar weiter, bleibt aber etwas launisch.
Auf den Weg nach Pemberton kitzelt schon der Brandgeruch von weitem in der Nase.
Große Gebiete liegen im Dunst des Feuers und wir bekommen einen kleinen Einblick über die Waldbrände, die jedes Jahr in Australien wüten.



Bei Denmark, ein niedlicher Ort mit Atmosphäre, halten wir an und haben Lust zu verweilen.
Auf dem kleinen familiären Riverbendcampingplatz finden wir ein ruhiges, grünes Plätzchen und machen uns breit.
Zu essen gibt es mal wieder etwas aus dem „Tütenrestaurant“, damit hatten wir uns ordentlich eingedeckt, wollten wir doch zu erst die Schotterpiste, „Great Central Road“, durch das Outback Richtung Uluru nehmen.
So ein Fertiggericht schmeckt eigentlich immer gut beim Zelten.
Wir verbringen einen weiteren Tag hier, wandern schauen uns die großartige Küste an!



Wir basteln an meinem Mopped, und wollen der Sache mit dem E-Starter auf die Schliche kommen. Hin und her, her und hin jetzt ist Beinarbeit angesagt. Ankicken ist auch eine Übung, mit der ich mich jetzt wohl näher beschäftigen werde.



Es dauert auch gar nicht mal so lange, da klappt es schon ganz gut und Ralf schaut zufrieden, da mein Gefluche langsam nachlässt.
Über Albany geht es dann weiter Richtung Fitzgerald River Nationalpark.
Auf der Strecke überraschen uns plötzlich Scharen von Heuschrecken, die heftig über uns und die Räder herfallen. Besonders schmerzhaft sind die Viecher, wenn sie ungebremst auf die Nase knallen. Zum Schutz hebe ich immer wieder meine Hand davor, jedoch unsere Crossbrillen müssen diese Prozedur auch so durchhalten. Es dauert nicht lange und ich halte an, da mir der Schleim auf der Brille komplett die Sicht genommen hat.
Beim Saubermachen der Brille, entdecken wir erstmal, wie die zarten Monster unsere Teneres zugepflastert haben.





Am nächsten Roadhouse heißt es erstmal Hand anlegen und wir befreien unsere Motoren sowie den Ölkühler und Lampe von dem toten Getier. Wir sind nicht die Einzigen, die auf diese Idee kommen, fast alle weiteren Fahrzeuge entledigen sich der Heuschrecken und hinterlassen einige Massengräber. Sogar unsere Scheibenbremsen funktionieren nicht mehr richtig, sodass sie gesäubert werden müssen!
Im Nationalpark fahren wir die Schotterpiste, die uns bis zur Küste bringt. Auch hier hat vor kurzem das Feuer zu geschlagen und weite Flächen verkohlt.





Eigentlich sind wir auf Schlafplatzsuche, aber es lässt sich nichts finden.
Nun ist Hopetoun angesagt, der Ort strahlt Einsamkeit und Verlassenheit für uns aus, aber die Bewohner scheinen wirklich in der Hoffnung mit Alkohol nachzuhelfen, wie könnte man wohl sonst an einem so trostlosen Platz leben. Der Campingplatz ist echt nett und liegt direkt am Meer, aber wenn man kein Angler ist, oder viel Geld in der Mine verdient, hat man hier eigentlich nichts verloren.
Also fahren wir am nächsten Tag weiter nach Esperance, wo wir ausreichende Informationen über die Strecke durch die Nullarborwüste einholen. Angeblich haben wir über 1.000 km langweilige fast gerade Strecke ohne großartige Versorgungsmöglichkeiten zu machen, lassen wir uns mal überraschen. Wichtig ist nur, dass mein Motorrad läuft und keine weiteren Marotten macht.
Bevor wir uns auf dem angenehmen Bathers Paradise Campingplatz niederlassen, ist erst ein Vollbad für unsere Babys angesagt.



Die Bikes werden sogar mit warmem Wasser, Schaum und Hochdruck betüdelt und siehe da, der ganze verklebte Heuschreckenschleim hat sich im Nu aufgelöst.
Am Campingplatz sind dann unsere Motorradklamotten dran, die ebenfalls eingesaut wurden.
Fast wie Neu begeben wir uns am nächsten Tag auf die Wüstenstrecke und treffen auf den Norweger Jon, der mit seiner nagelneuen Hyosung 250 V Twin unterwegs ist.
Er schließt sich uns an und ist froh, die lange Strecke nicht alleine fahren zu müssen.
Ein Abschnitt unserer Etappe ist mit 146,6 km die längste gerade asphaltierte Distanz in Australien!



Aber eigentlich haben wir immer das Gefühl, nur geradeaus zu fahren:

Tag 1



Tag 2



Tag 3



Unser erster Stopp ist Norseman, wo mich die Wellblechkamele förmlich anziehen.



Erst später begreife ich, welche Bedeutung das Kameldenkmal hat.
Kamele verbinde ich eigentlich mit Afrika / Asien, Sand und Karawanen, aber nicht mit Australien.
Ja, so lernt man nie aus, denn hier in der Nullarborwüste gibt es unermesslich große Herden von diesen Höckertieren. Schön sind sie schon aus der Ferne anzusehen, jedoch ein gefährliches Unterfangen, wenn sie sich auf die Straße verlaufen.
Am Abend auf unseren Übernachtungsplatz lerne ich einen Neuseeländer kennen, der mit seinem Wohnmobil hautnah die Erfahrungen mit einem Kamel teilen durfte.
Zu früher Morgenstunde hat er sich aufgemacht und nach wenigen Kilometern küsste das Fahrzeug ein Kamel. Er war so baff, das er von der Straße abkam und noch einen Baum umarmte. Das Glück war mit ihm, denn nur die Frontscheibe, der Vorbau und der Kühler mussten dran glauben.



Eine der wichtigsten Fahrregeln in Australien heißt für uns:
„Fahr nicht zur frühen und auch nicht zur späten Stund - und du bleibst gesund.“
Habe ich selber gedichtet und es entspricht der vollen Wahrheit, denn die Dämmerung bevorzugen auch die einheimischen Tiere, die sich dann auf den Straßen und Wegen befinden.
Bis jetzt halten wir uns dran und fahren nicht vor 8:30 Uhr los und stoppen spätestens gegen 17:00 Uhr.
Nullarbor kommt aus dem lateinischen und heißt „Keine Bäume“ und in der Sprache der Aboriginies „Oondiri“, welches wasserlos bedeutet und ein Großteil der Strecke ist tatsächlich wie leergefegt.
Aber die Natur hat dann andere schöne Dinge zu bieten und so sehen wir Gebiete über die sich Sträucher, Gräser und Sand erstrecken. Gar nicht so langweilig, wie wir zunächst dachten. Kilometer fressen wir trotz alledem und der Gegenwind macht und das Leben etwas schwerer.
Australien ist auch ein Land der Verkehrsschilder, wo nicht nur die Geschwindigkeiten angegeben werden, sondern auch Tiere



und Fortberegungsmittel,



welche die Straße ebenfalls benutzen.
Mit den Kängurus ist es jedoch etwas komplizierter, denn wir sehen sie hier in der Nullarbor hauptsächlich tot auf oder an der Straße liegen.
Grausame Alltäglichkeit, die von denen verursacht wird, die sich nicht mein Gedicht verinnerlicht haben.
Ob Australier oder Tourist, da gibt es keine Ausnahmen. Wer tut da einem Leid, Opfer oder Täter.
Am dritten Tag, der Wüstendurchquerung erreichen wir die Steilküstenpassage und legen einige Besichtigungsstopps ein, um über das weite Meer zu blicken.
In Ceduna angekommen, erhalten wir im Visitor Centre ein Zertifikat für unsere Nullarbordurchquerung.
Mit Jon zusammen lassen wir uns hier auf dem Campingplatz nieder, kaufen zu überhöhten Preisen Lebensmittel ein und genießen den anschließenden Schmaus.



Der heutige Sonnenuntergang am Meer ist besonders Farbenprächtig und es macht richtig Spaß, Fotos zu schießen, bis die Batterien leer sind.





Der kommende Tag bringt Regen und Kälte mit sich, also doch das Innenfutter in der Jacke lassen. Zum Glück, denn es ist arschkalt geworden. Als kurz vor Port Augusta der Regen heftiger wird, ziehe ich die Regensachen über. Gleich angenehmer.
Der arme Jon, der muss wirklich frieren, denn er ist nicht so gut ausgestattet wie wir, sondern trägt nur eine Jeans und eine kurze Jacke. Das Angebot von Ralf, seine Regensachen zu bekommen schlägt er seltsamerweise aus!?!
Er erhöht sein Fahrtempo um schneller ans Ziel zu kommen und so verlieren wir uns auf der Straße.
In Port Augusta angekommen, rasten wir in dem netten Visitor Centre, bekommen Informationen und trinken einen leckeren Cappuccino. So viele schöne Bilder vom Outback sind dort zu finden, wir könnten glatt schwach werden! : - ( 
Leider trudelt Jon nicht ein und so lassen wir uns alleine auf einem Campingplatz nieder.
Immer noch regnet es und so entschließen wir uns, direkt unter dem Dach der Campingküche unser Zelt aufzubauen. Wir sind sowieso die Einzigen, die hier zelten, alle anderen sitzen gemütlich in ihrem Wohnwagen oder im Chalet.
Am nächsten Tag treffen wir Jon doch noch mal an der Tankstelle, der frierend gestern die erstbeste Unterkunft genommen hat, die ihn dann auch glatt 100 Aus $ kostete, aber das war ihm in dem Moment bestimmt egal.
Ein Stückchen fahren wir noch zusammen, aber als wir auf eine Nebenstrecke durch die Berge abbiegen, nehmen wir von Jon Abschied. Wir wollen uns noch etwas Zeit nehmen und reisen auf einer wunderschönen und kurvigen Nebenstrecke Richtung Adelaide. Z groß ist die Verlockung endlich mal nicht geradeaus fahren zu können.
Mmmhhhh, riecht das lecker nach Eukalyptus und Fichten, fast so gut wie in einer Sauna.
Rechts und links säumen Wälder und Felder die Straße und die kleinen Orte, die wir durchfahren machen einen verschlafenen Eindruck. In Melrose rieche ich schon von weitem den gerösteten Duft von Kaffee und entdecke die dazugehörige Lokalität: „Bluey Blundstones“.
Ein altes, kleines Gehöft eines Schmieds, welches sich seinen antiken Charakter erhalten hat, bietet super leckeren Cappuccino in familiärem Ambiente.



In einem der beiden Zimmer fühlen wir uns in die Pionierzeit zurückversetzt und würden am liebsten eine Nacht in dem niedlichen Zimmer verbringen. Wer ein paar Dollar und Zeit übrig hat, sollte hier nächtigen!! Das reizende Zimmer kostet 115 Aus $ mit Frühstück!



So legen wir eine Pause ein, stöbern durch das Anwesen und unterhalten uns sehr lange mit den freundlichen Eigentümern Chris und John Potts.
Von den Beiden werden wir auch gefragt, ob wir einen Bernd kennen, der mit einer BMW im letzten Jahr hier ebenfalls war und einen Kaffee getrunken hat. Langer, grauer Bart und in Begleitung einer blonden Frau. Da müssen wir nicht lange überlegen und Bernd Tesch taucht als „Fata Morgana“ vor unseren Augen auf. ; - ) 
Gruß an Dich Bernd, so klein ist die Welt!
Weiter schlängeln wir uns auf der schönen Strecke entlang und erreichen Tanunda im Barossa Valley. In den 1840ern gegründet von deutschen, verfolgten Lutheranern, sind auch heute noch einige Sehenswürdigkeiten bei einem Stadtrundgang zu entdecken.
Eine deutsche Bäckerei fällt uns dabei besonders ins Auge und auf den Magen.
Mmmhhhh….. leckeres echtes Brot, Kuchen, Plätzchen und Stolle.
Das muss erst mal verdaut werden, im wahrsten Sinne des Wortes! ; - ) .
Wir bleiben einen weiteren Tag um die kulinarische Schlemmerei fortzusetzen. Es geht in das Nachbardorf, wo ein Farmermarkt zu Kostproben und Kauf von lokalen Produkten einlädt.
So entdecken wir viele selbst hergestellte Leckereien wie Pralinen, Plätzchen, Obst, Käse, Wurst, Marmelade, Chutneys und vieles mehr.
Frisches Obst und Gemüse kann man hier zu günstigen Preisen ergattern und außerdem treffen sich hier die Einheimischen, nutzen die Zeit zu einem Schwätzchen, trinken frischen Kaffee und essen dazu köstliche Backwaren.
Auch wir können da nicht nein sagen, kaufen einige Produkte und schlendern durch den Markt.



Um ein bisschen Platz im Magen zu schaffen und die schöne Umgebung noch etwas besser kennen zu lernen, machen wir uns zu einer Wanderung in dem Kaiserstuhl Conservationpark auf. Wir verstecken unsere Helme in den Bäumen und los geht’s. Fliegenschwärme erfreuen sich an unserer Anwesendheit und lassen sich gleich in großer Anzahl auf uns nieder. Neeeee, das ist etwas, was uns an Australien nicht gefällt.
Na ja, dafür entschädigt uns der Anblick der vielen Kängurus, die gleich in ganzen Familien unter dem Gebüsch liegen und Mittagsschlaf halten. Niedlich, aber wir nehmen aus Rücksicht entsprechenden Abstand.
Der nächste Fahrtag führt uns zur „Whispering Wall“, ein Staudamm, der seine Mauer in einem großen Bogen von einer zur anderen Seite spannt.
Ein bestimmtes Echosystem transferiert ein gesprochenes Wort von einer zur anderen Staudammseite. Und tatsächlich, es funktioniert, obwohl eine Entfernung von ca.400 m gegeben ist, können wir das Gesprochene klar und deutlich hören.
Weiter geht es auf kleinen kurvenreichen Straßen durch das Barossa Valley.
Wir sind nicht die einzigen Motorradfahrer hier, auch andere schlängeln sich durch die reizende Landschaft. Das Kurvenfahren ist schon was schönes, ich jedoch halte mein Gefährt etwas im Zaum, da das Federbein durch den Ölverlust mich und das Zebra ins Schaukeln bringt.
Ist schon ein komisches Gefühl!!
An dem „Cudlee Cafe“ rasten wir, trinken köstlichen Eiskaffee und lernen nette australische Biker kennen.



Es geht nun nach Adelaide, wo wir etwas außerhalb auf dem „Brownhill Creek Mitcham Caravanpark“ unser Lager unter einem großen, Schatten spendenden Baum stellen.
Ich vertrete mir gleich meine Beine und mache mich auf eine Wanderung. Und tatsächlich entdecke ich, wie vorausgesagt, einen faulen Koala im Baum. Ja, hier halten sich überall die Koalas versteckt in den Bäumen auf und in der Nacht hören wir sogar ihre lauten Rufe, die mich eher an das Brunstgetöse von Elchen in Kanada erinnern. ; - ) 
Für den Stadtkern von Adelaide nehmen wir uns nur einen Tag Zeit und erkunden per Stadtplan den vorgegebenen Citywalk.
Ein altes Bauwerk nach dem anderen säumt in einigen Vierteln die Straßen. Echt nett und auch mal wieder eine Augenweide ältere Gebäude zu sehen.
Auch die alten Einkaufspassagen laden zum bummeln ein, zumal sie jetzt zur Weihnachtszeit schön dekoriert sind.



Wieder mal schwingen wir uns auf unseren Metallesel und düsen nun in Richtung „Great Ocean Road“, jedoch wollen wir noch einen Abstecher zu dem „Grampians National Park“ machen. Die Umgebung ist bis zu den Grampians weitestgehend eher flach, doch von weitem kündigt sich der Park mit Hügeln, Bergen und Wäldern an.
Je näher wir kommen, desto merkwürdiger wird das Bild vor uns, eindrucksvoll, aber irgendwie gespenstisch. Was ist es, was die Landschaft in etwas Rätselhaftes verwandelt?
Auf einer schmalen, kurvenreichen Straße fahren wir durch die Wälder, die nun das enträtseln, was zunächst nicht zu erkennen war.



Schwarze Baumstämme, die ihre verkohlten Finger abstrakt in alle Himmelsrichtungen ausstrecken,
dazu giftgrünes neues Pflanzenleben, welches am Waldboden, aber auch aus den verwundeten Bäumen sprießt.



Unglaublich schön für uns zu sehen, wie stark die Natur das Widererwachen vorantreibt.
Wieder mal ein Beweis, wie mächtig Naturkatastrophen zuschlagen und verwüsten können, aber diese Zerstörung auch einen Neubeginn des Lebens bedeutet.
Wie wir später erfahren, sind genau vor einem Jahr etliche von Quadratkilometern des Grampians NP durch einen Waldbrand zerstört worden.



Wir entscheiden uns eine Nacht hier zu verweilen und finden ein einsames Plätzchen auf dem „Smith Mill Campingplatz“. Nur wir haben uns unter den Baumriesen versammelt um die ausgesprochene Ruhe wahrzunehmen.
Nein ganz alleine sind wir nicht, ein Känguru und einige Kookaburras teilen mit uns das Nachtlager. Das Känguru rückt immer näher und zeigt großes Interesse und ist auf Futtersuche, aber wir wissen, wilde Tiere soll man nicht füttern.



RALF
Welch eine Stille in der vergangenen Nacht! Kaum ein Geräusch war zu vernehmen, das war schon etwas ungewohnt, aber sehr angenehm.
Am nächsten Morgen zaubert Eva dann zu meiner Überraschung doch noch ein Geburtstagsgeschenk aus ihrem Gepäck, aber was soll man mir schon schenken?
Also bekomme ich Musik in Form einer DVD von David Bowie.



Bei Halls Gap besuchen wir das Besucherzentrum und lernen Gabriele und Jürgen kenn, die uns spontan zu einem Cappuccino einladen. Wir verquatschen die Zeit und als sie erfahren, dass ich heute Geburtstag habe, laden sie uns noch zu einem Stück Kuchen ein.
Ja, so kann der Tag weitergehen! : - ) 



Nein, nein, wir müssen weiter und genießen noch die wenigen „krummen“ Kilometer



durch den Nationalpark und fahren diverse Aussichtspunkte an, von denen wir leider keine gute Aussicht haben! : - ( 



Es ist wirklich unheimlich, durch so einen verkohlten Wald zu fahren!!



Danach geht es flott immer gerade aus ans Meer, wo wir bei Warrnambool auf die „Great Ocean Road“ treffen, davon haben uns ja schon so viele andere Reisende vorgeschwärmt.
Kühl wird es hier am Meer, aber die Aussicht auf die Küste und die Felsen ist immer wieder toll.



Lange fahren wir nicht mehr, denn für heute sind wir genug gefahren. Einen Platz zum Wildzelten finden wir nicht, also gehen wir auf den Campingplatz in Port Campbell. Im Ort kaufen wir noch was ein und dann genießen wir in einer windgeschützten Ecke den Ausblick aufs Meer.
Der nächste Tag ist wirklich ein wunderschöner Fahrtag, das können wir schon mal vorwegnehmen.
Es gibt immer wieder Haltepunkte, die eine tolle Sicht auf die eigenwilligen Felsformationen geben.



Anfangs nerven mich noch die unzähligen Wohnmobile an den ganzen Aussichtspunkten,
denn so viele Touristen haben wir schon lange nicht mehr gesehen.
Seltsamerweise sind wir fast die Einzigen bei den 12 Aposteln.



Aber die schöne Strecke entschädigt wirklich für einiges, trotz der heute getrübten Sicht!



Mir gefällt der östlichere Teil wesentlich besser, was aber daran liegen mag, dass mir als Motorradfahrer die Kurven besser gefallen. Immer wieder schlängelt die Straße ins Landesinnere, ich habe oftmals den Eindruck gar nicht am Meer zu sein, sondern vielleicht im Allgäu. Wenn da nicht die vielen Koalas in den Bäumen wären ; - ) 



Unser heutiges Ziel heißt Melbourne, doch was uns ca. 70 Kilometer vor der Metropole erwartet, lässt uns eher an die Sahara im Sommer denken. Temperaturen von über 40 Grad lassen uns plötzlich schwitzen, denn an der Küste war es mit ca. 20 Grad noch verhältnismäßig kühl! An der ersten Tanke hauen wir uns erstmal einen O-Saft rein. Dann statten wir Yamaha auf der Elizabeth Street ein Besuch ab, doch dort fühle ich mich nicht besonders wohl. Zum defekten Öhlins Federbein von Evas Ténéré meinten sie doch allen Ernstes, wir könnten ja ein Neues kaufen! Kein Problem, oder? Die kosten ja nur ca. 650 Euro, wenn es denn überhaupt für unsere Ténérés noch eins gibt?!?
Von Reparatur wollen die nichts wissen, und die wurden uns vom Öhlinsvertragshändler empfohlen. Na dann Prost Mahlzeit!!
Außerdem schließen jetzt alle Geschäfte, also fahren wir erstmal zu Petra und Dan, die uns zu sich nach Hause eingeladen haben. Als die beiden die Tür öffnen, weiß ich auch, dass ich Petra schon mal gesehen habe, es war damals bei Chris auf einem seiner schönen Diavorträge! Motorrad-Fernreisen
Nach guten 2 Wochen unterwegs, in denen wir 4.800 km zurückgelegt haben, verfügen wir wieder ein festes Dach über dem Kopf und wie es so aussieht müssen wir mal wieder länger bleiben. Denn zwischen Weihnachten und Neujahr geht hier Down Under auch nicht viel. Wir machen es uns hier in unserem Zimmer bequem, während Petra & Dan sich auf ihre Motorradreise nach Tasmanien vorbereiten.
Einen Tag vor Heiligabend verlassen uns die Zwei : - ( 



und wir haben sozusagen „sturmfreie Bude“. Es ist über die Feiertage empfindlich kühl geworden, tagsüber sind es kaum noch 15 Grad und es regnet oft.
Ich verbringe relativ viel Zeit in der Garage und schraube an den Motorrädern rum. Es gibt immer wieder was Neues zu entdecken, was nicht funktioniert. Evas E-Starter bekomme ich nicht hin, aber dafür stelle ich die automatische Dekompression neu ein, so lässt sich Evas XT wesentlich einfacher ankicken.
In der Nähe von Petras und Dans Wohnung ist der Laden Bikes Plus. Bikes Plus
Die sind schon netter als bei Yamaha und versuchen zu helfen, wo es nur geht, aber Reifen und Bremsbeläge müssen erst bestellt werden.
Das Federbein könnten sie evtl. überholen, würden aber jemanden in Sydney empfehlen.
Mikas Weltreise-Motorrad Federbein haben sie dort allerdings kaputt repariert. Eva fällt wieder Wolfgang von YSS Suspension ein!

YSS Suspension
Den hatte uns Walruss, ein australischer Motorradfahrer, im Barossa Valley empfohlen, allerdings konnten wir ihn von dort und in Adelaide nicht erreichen.
Nach den Weihnachtsfeiertagen erreichen wir Wolfgang dann am Telefon. Er ist Schweizer, das stimmt uns schon mal zuversichtlich, also schicken wir ihm das Federbein. Es stellt sich heraus, dass die Oberfläche der Führungsstange leichte Haarrisse aufweist. Wir entscheiden uns für die qualitativ bessere Variante, und bekommen nun das Öhlinsfederbein mit einer neuen Wilbers-Führungsstange versehen zurück. Wenn das nichts ist??!!
Kostenfaktor? Na ja, auf jeden Fall billiger als ein Neues, aber das Geld geht hier weg wie nix!!

Natürlich erkunden wir auch die Stadt, genug Zeit haben wir ja ; - ) 
Neben der obligatorischen Besichtigung mit einigen schönen alten und neuen Gebäuden,







komme ich sogar dazu mal wieder etwas ausführlicher in einem der vielen Plattenläden zu stöbern. Die CDs sind hier in Australien i.d.R. viel billiger, vor allem wenn sie nicht brandaktuell, sind bekommt man viele schon für 6 Euro!
Über Sylvester ist auch Moni in Melbourne, sie ist mit Andreas ein paar Tage hierüber gejettet. Ist doch klar, dass wir uns hier mal treffen und gemeinsam was machen!



Aber nicht in der Sylvesternacht, denn die ist für uns ebenso einsam, wie der Weihnachtsabend. Wobei mir das Alleinsein zu Weihnachten mehr Schwierigkeiten bereitet, aber zumindest habe ich ein paar deutsche Weihnachtslieder auf meinem mp3 Player, die wir uns dann anhören.
Im neuen Jahr, als Dan & Petra aus ihren Tasmanienurlaub kommen, geht dann alles ziemlich flott, Reifen, Bremsbeläge, Bremsflüssigkeit, Federbein, .... alles kommt zur gleichen Zeit und muss eingebaut werden.

Mit den beiden



verbringen wir noch das Wochenende, an dem wir uns etwas besser kennen lernen.
So machen wir u. a. eine Spritztour in den Ranges Nationalpark. Eine schmale Schotterpiste führt uns bergauf durch schöne Regenwaldlandschaft, wo sich Eukalyptusbäume eng mit den Farnbäumen ein saftig grünes Paradies geschaffen haben
Lieber Dan, liebe Petra, möchten uns noch mal für die nette und freundliche Aufnahme in Eurer Wohnung und die fachliche Hilfe bedanken!!!!

So wie es aussieht, werden wir morgen, am Dienstag, weiterreisen. Irgendwie soll es nun auf kleinen Nebenstrassen Richtung Sydney gehen.
Für Anfang Februar haben wir dann Neuseeland ins Visier genommen. Dazu wollen wir dann nach Melbourne zurückkehren und alles von hier erledigen. Die Vorbereitungen laufen schon auf Hochtouren.


Aber das Beste möchte ich Euch wirklich nicht vorenthalten:



Viele liebe Grüsse aus Melbourne
: - ) 
Ralf & Eva

© Die Motorradnomaden - Ralf Löther & Eva Schöner-Löther




von RalEva um 03:48:15
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